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Zwei Funde und eine grosse Aufgabe

Der Pfchchch-Eintrag zeigte an, dass ich auf dem Wege zur Besserung war. Selber bloggen mochte ich noch nicht, aber Herumnäseln in dem, was Andere schrieben, auf Entdeckungen ausgehen, da ein bisschen, dort ein bisschen, kurze Abstecher, das lag schon drin.

Und ich hatte Glück, zweimal das Glück, alte Bekannte wieder zu finden.

Da hat il giardino bei mir kommentiert und sich als ex-blue sky zu erkennen gegeben. Da hab ich mich sehr gefreut, denn ich mochte Blue Skys Blog mit seinen wunderbaren Aufnahmen und vermisste ihn, als er es aufgab. Schön, dass er jetzt wieder da ist und sein Gärtchen wieder pflegt (und von Zeit zu Zeit in den blauen Himmel guckt). Ich hoffe, seine Gartenpflege wirke ansteckend auf mich.

Ebenfalls über einen Kommentar habe ich die Walkuere, aka Walküre wieder gefunden. Da hab ich mich nicht nur gefreut - der Fund hat überdies mein Gemüt sehr erleichtert.

Da steckt eine Geschichte dahinter. Am 19. Oktober 2006 hatte die Walküre nämlich, wie sie schrieb, eine „Frage in den Raum gestellt.“ Es ging darum, was geschehen werde, wenn ihre betagten, aber (derzeit) noch rüstigen Eltern einmal nicht mehr für sich sorgen könnten. Wer sollte ihnen helfen? Wie sollte ihnen geholfen werden? Sie fächert die Problematik um diese Fragen auf: Hilfe durch Angehörige und/ oder Freunde ist unmöglich, Hilfe durch eine ständige Pflegerin indiskutabel (die Eltern wollen nichts davon hören), ein Eintritt in ein Alters- oder Pflegeheim käme einem Todesurteil gleich. Die Angehörigen diskutieren alles nur unter sich, denn: „Noch schwieriger wird die Situation dadurch, dass ein Gespräch über diese Thematik mit meinen Eltern nicht möglich ist, da sie selber jeden Gedanken daran, in absehbarer Zeit auf Hilfe angewiesen zu sein, weit von sich weisen.“ - Walküre schliesst mit der Frage: „Was würdet Ihr an meiner/unserer Stelle tun ? Um Anregungen, Erfahrungen und Meinungen wird gebeten - und kein Gedanke ist so klein, dass ich nicht dankbar für ihn wäre ...“

Gerade damals setzte ich mich intensiv mit diesem Fragenkomplex auseinander. Mein Mann, weit über 90-jährig, hatte wegen Fallgefahr schon längere Zeit nicht mehr allein sein dürfen, weshalb ich praktisch nicht mehr von Hause weg kam, und im Oktober 2006 verlor er innert weniger Tage den Gebrauch seiner Hände und wurde zunehmend hilfsbedürftig. Aus diesem Erleben heraus schrieb ich einige Gedanken und Überlegungen auf, als Anregungen gedacht, und stellte sie in Walküres Blog-Raum. Gross war mein Schreck, als ich einige Tage später wieder reingucken wollte und das ganze Blog samt Kommentaren verschwunden war! Was mochte vorgefallen sein? Einfach so, heute da, morgen weg, als hätte es nie existiert. Das war unheimlich und bedrückend. Auch nach Monaten noch befiel mich ein mulmiges Gefühl, wenn die Erinnerung an das verschwundene schöne Blog auftauchte.

Erst vor wenigen Tagen stiess ich unerwartet auf einen Kommentar von Walküre. Es gab sie also noch! Ich schaltete durch – oh, das lange vergeblich gesuchte Blog war wieder da. Ich atmete regelrecht auf.

Und nun führe ich mir Tag für Tag ein Stück davon zu Gemüte, bis ich alles nachgelesen habe. Mitte Mai 2007 erwähnt Walküre jenen Eintrag und schreibt dazu: ... „Irgendwo in meinen Kopf hat sich die Meinung festgesetzt, dass man heutzutage über alles sprechen kann - außer über Alter und Tod. Es ist fürwahr ein trauriges Kapitel unserer Gesellschaft, dass es zwar möglich ist, beispielsweise offen über seine sexuellen Vorlieben zu parlieren (je verwegener, desto besser), jedoch sofort eine reflexartige Verdrängung einsetzt, sobald man sich vor Augen halten müsste, dass man auch selber das ewige Leben nicht gepachtet hat....“ Walküre meint weiter, „im Nahen Osten (dort siedelt sie mich richtig an) ... geht man offenbar ... mit solchen Themen freier um“.

Ich weiss nicht. Im „Nahen Osten“ leben Menschen mit so verschiedenen, ja entgegengesetzten Weltanschauungen und Denkweisen, dass man kaum einen gemeinsamen Nenner für alle finden kann. Ich will auf keinen Fall in einem Atemzug mit den todesbrünstigen Anhängern vom Hamas oder von der Hisbolla genannt werden. Viel näher ist mir – lehavdil elef havdalot - Eli Moyal, der Bürgermeister von Sderot; der hat heute gesagt, er wäre bereit, mit Hamas-Führern über eine Waffenruhe zu reden. Um Menschenleben zu retten, fügte er hinzu, würde er sogar mit dem Satan verhandeln. Er weiss, worüber er spricht. Er vertritt eine Bevölkerung, die am Leben hängt, Menschen, die sich, ihre Familien und ihre Nachbarn tagtäglich gefährdet wissen. Sicher wären auch sie noch so gerne zum Verdrängen bereit, nur geht das schwerer, wenn dich täglich und nächtlich Kassam-Alarme erschrecken. In gewissem Masse sitzt dieses Bewusstsein der ständigen Gefährdung in allen israelischen Hinterköpfen; in Nordisrael haben die Einwohner es 2006 erlebt, in Jerusalem, Netanya, Tel Aviv, Haifa und vielen anderen Orten zur Zeit der Wellen von Terrorattacken – und wer sagt denn, ich könnte morgen früh nicht zur falschen Zeit am falschen Platz sein, wenn so ein Sprengstoffheroe sich in die Luft jagt? Und wenn jemand zur falschen Zeit am falschen Platz ist, aber nicht umkommt, sondern "bloss" ein Bein verloren oder den Körper voller Schrapnelle hat, dann ist er doch gezeichnet auf Jahre hinaus, vielleicht fürs ganze Leben. (Das englische Blog My Shrapnel http://myshrapnel.blogspot.com/ schildert mit viel Galgenhumor, wie es sich so lebt). Darum können wir die Illusion „Alle Menschen müssen sterben, vielleicht auch ich“ hier nicht so leicht aufrecht erhalten.

Aber nicht darauf spielt Walküre an. Sie meint ja nicht den gewaltsamen Tod, in den Terroristen, Verkehrsverbecher und dergleichen Andere reissen. Was sie beschäftigt, ist das natürliche Ende unserer Lebens, und die Lebensstufe, die ihm vorausgeht: das Alter. Wie jeder andere Abschnitt des Menschenlebens hat auch dieser seine Probleme, für die wir eine Lösung zu finden versuchen sollen, stellt uns vor Fragen, mit denen wir uns zu messen haben und – ja, und hat auch seinen eigenen Sinn. Und wie in jedem anderen Lebensabschnitt kann Drückebergerei sich rächen.

Das Alter, so glaube ich, ist die letzte grosse uns gestellte Aufgabe. Ich habe – auf Walküres Anregung – vor, in Zukunft gelegentlich auch etwas davon zu erzählen, wie man hier an sie herangeht.
24.2.08 11:36
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


medbrain / Website (24.2.08 09:41)
Tod und Sterben sind so große Tabuthemen, dass man nicht nur kaum darüber sprechen kann, man verbietet es de facto auch, will heißen, alte, demente Menschen, die die Fägihkeit zur Willensäußerung verloren haben, oder todkranke, die sich nicht ausreichend gegen die Familie wehren können, werden via Notarzt auf Intensivstationen von Krankenhäusern gebracht (oft mit der Idee, man möge Ihr Leben am besten ins Unendliche verlängern, aber auch, um sie nicht Zuhause sterben zu lassen). In 3 Jahren Arbeit in der Inneren Medizin habe ich nur eine einzige, alte Patientin zum Sterben nachhause entlassen - und das gegen den Widerstand der Tochter und mit Hilfe der Patientin selbst (die weit über 90 Jahre und geistig völlig klar war) und der niedergelassenen Kollegin, die diese Entscheidung völlig mitgetragen hat.

Ich glaube, daß der Tod als solcher in der israelischen Gesellschaft durch die Attentate präsenter ist, aber das Alter und der Tod im Alter dadurch höchstens geringfügig anders angesehen sind als in Europa. Aber mein Inneretertial )d. letzten Studienjahrs) habe ich in Europa gemacht, so daß dies nur eine Vermutung darstellt..


giardino / Website (13.3.08 00:27)
Ich habe mich übrigens sehr über die Worte zu meinem Blog gefreut. Das erinnert mich auch daran, dass ich wieder öfter raus muss und fotografieren.


vered / Website (13.3.08 15:52)
@ giardino: O ja, tu das!

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