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Was lange währt ...

M`s Panik einen Tag vor Baubeginn hatte mich gründlich verunsichert. Ich hatte ja nichts als Gutes im Sinne gehabt; vor dem Pflegeheim retten wollte ich M, und nun sah er diese meine Pläne so? War ich wirklich im Begriff, ihm nach all dem Schweren, das er durchgemacht hatte, noch einen neuen Schlag hinzufügen?

Es gab aber keinen Rückweg, den ich hätte gehen dürfen, denn die Alternative wäre noch viel schlimmer gewesen. Im Pflegeheim wäre M von seiner Welt ganz abgetrennt; hier, im alt-neuen Haus, würde sie ihm in etwas abgewandelter Form erhalten bleiben. Aber das stand ihm jetzt, im Moment des Verlustschmerzes, nicht vor Augen. Die Sache kam mir vor wie eine lebensrettende Amputation. Sie war unvermeidlich, doch galt es, alles zu tun, um die Phantomschmerzen möglichst zu mässigen. Das würde schwierig sein, denn, so fühlte ich, traute M mir nicht – wenigstens nicht in diesem Augenblick

Ich setzte Nati über die neue Entwicklung ins Bild. Er, sofort zur Hilfe bereit, kam noch vor Arbeitsbeginn und sprach mit M, wie schwer es ihm falle, diesen Arbeitsraum zu zerstören, wie gerne er ihm diesen erhalten möchte, und dass es für M doppelt schwer sein müsse ... Es kam von Herzen, was er sagte, und es erreichte M´s Herz. M hörte intensiv zu, wie Nati ihm versprach, alles zu tun, um jeden Schaden an M´s Werken zu vermeiden, wie er auch der Einrichtung so weit wie irgend möglich Sorge tragen werde, wie er seine Arbeiter instruieren und während der Räumung mithelfen und sie beaufsichtigen werde, als ob es seine eigenen Sachen wären.

Nati hielt Wort. Alles ging nach unserem Plan. Nati sah im Arbeitsraum zur Sache, Motti draussen auf dem Grundstück, wo die meisten Möbel und Werkzeuge hinkamen, ich oben im ehemaligen Schlafraum, der bald mit Bildern und Rahmen, Gestellen und Büchern, Mappen und Kisten so voll war, dass man sich nur noch mit Mühe durchzwängen konnte.

Wie ich dann die Hämmer hörte, die Staubwolken sah und die Erschütterungen spürte, wurde auch mir weh ums Herz. Unser bisheriges Leben war zu Ende; was war, würde nie wieder werden. Und ich fühlte mich schuldig. M sass da wie ein Häuflein Elend, und sein Elend hatte ich verursacht.
Nur Robert blieb unbeschwert; für ihn war die Bauerei eine willkommene Abwechslung in unserem für seinen Geschmack zu ruhigen Leben. Er luchste zum Fenster hinaus und ging auch mal zum Bau hinüber, um möglichst viel mit zu bekommen. (Das sollte sich später als sehr wertvoll erweisen, denn er wusste von jeder Säge, jedem Lineal und jeder gebrauchten Schraube, wo sie zu finden waren).

Im Grunde gab es wenig wegzuschlagen: Der Grundriss blieb ja unverändert, nur zusätzliche Fenster und Türen würde es geben, und eine Öffnung für den neuen Eingang. Bald begann schon der Aufbau mit dem Aufschütten und den Maurerarbeiten. Ich war jeden Morgen in aller Frühe draussen, noch bevor Nati erschien, und sah mir den Fortschritt der Arbeiten an. Später sass ich mit Nati und liess mir die Pläne für den neuen Arbeitstag erklären. M tat betont desinteressiert – aber nicht lange. Robert erzählte in seiner Mischsprache und mit vielen Gesten, was sich tat, ich blieb lange weg und schaute nur auf Augenblicke rein – kurz, am dritten Tag siegte M`s Neugier: Er beobachtete vom Fenster aus das Hin und Her der Arbeiter, und bald musste Robert ihn zum Bauplatz bringen. Von nun an verfolgte er eben so fasziniert wie ich die Verwandlung des Alten in Neues und nahm Navas wortreiche „philosophische“ Vorträge – etwa: Leben ist Wandel, alles Lebendige passt sich neuen Gegebenheiten an und dgl. - mit Interesse und sogar gewissem Wohlwollen auf.

Die Arbeit stand unter einem guten Stern. Alles ging zügig voran. Nati, einer jener Unternehmer, die selber überall Hand anlegen und physische Anstrengung nicht scheuen, seine beiden Teilhaber Motti und Akram und die drei fest angestellten Arbeiter waren ein gut aufeinander eingespieltes Team. Nava kam oft vorbei, kontrollerte akribisch alle Einzelheiten und diskutierte sie mit Nati. Mehr als einmal nahm sie mich mit auf erschöpfende Einkaufstouren (Boden- und Wandverkleidungen, Leuchten. Armaturen ...). Sie selber wurde nie müde, ihr Mundwerk schon gar nicht, und sie lebte ihren unglaublichen Sinn für die allerkleinsten Details gründlich aus. (Nati behauptete etwas malizios, sie könne eine halbe Stunde über den grundlegenden Unterschied zwischen linksdrehenden und rechtsdrehenden Schrauben reden). Ihr Eifer, das Beste zu finden und zu tun und ihre unendliche Geduld und Hilfsbereitschaft, auch ihre Bereitschaft, zuzuhören und umzudenken, entschädigten mich aber überreich. Und jetzt geniessen wir jeden Tag die Früchte ihrer grossen Bemühungen.

Wo immer es sich machen liess, brachten Nava und ich Muster und Prospekte nach Hause und zogen M zu Beratungen bei, damit das Haus möglichst seinen Stempel trage und er es auch als sein Werk fühlen könne. Er sah manches mit anderen Augen an und hat mehr als einmal Nava auf den Erdboden herunter geholt, wenn sie gar zu ausgefallene Ideen brachte. - Auch mit Nati besprach sich M gerne; die beiden mochten sich sehr gut.

Nach nur sechs Wochen war der Neubau samt Aussenarbeiten fertig und bezugsbereit!
5.2.08 20:09
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


1st / Website (5.2.08 23:00)
Das ist ja wunderbar - Kol ha'kavod!

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